Schutzbauwerke der Waldsiedlung Wandlitz

Wohnsiedlung für Mitglieder des Politbüros

 

Inhalt

 

1. Vorgeschichte zur Waldsiedlung

2. Errichtung der Schutzbauwerke

3. Fotogalerie

4. Quellen

 

1. Vorgeschichte der Waldsiedlung

 

Zu dem Bauvorhaben Waldsiedlung soll es nur einen kleinen Auszug geben. Thematisch passend, wird hier näher auf die Schutzbauwerke eingegangen, als was zur Entstehung der Waldsiedlung führte.

Die führenden Repräsentanten der Regierung waren, bevor überhaupt das Waldgebiet welches zur Stadt Bernau gehörte und in den Fokus zur Erbauung der Waldsiedlung geriet, im Berliner Bezirk Pankow gelegene Majakowski-Ring wohnhaft. Nach und nach entwickelte sich das "Städtchen" zu einer geschlossenen Wohnsiedlung und wurde immer stärker von der Umgebung im Ortsteil Niederschönhausen abgeschottet.8 In den ersten Jahren nach 1945 hatte der Majakowski-Ring noch den Status eines Militärstädtchen mit eigener Kommandantur, das durch Kräfte der sowjetischen Besatzungsmacht abgesichert wurde. Im Jahr 1950 gegründete sich das Ministeriums für Staatssicherheit. Fortan übernahm deren Hauptabteilung Personenschutz die Bewachung in Pankow und später die Bewachung der Waldsiedlung.

Das wohl eindeutigste Dokument über die Errichtung einer neuen Wohnsiedlung ist das Protokoll der Politbüro-Sitzung im August 1956. Dort fiel der folgenreiche Satz: "Es sind Maßnahmen für eine neue Wohnsiedlung vorzubereiten". Zeitlich passen diese Beschlüsse mit dem DDR-Volksaufstand um den 17. Juni 1953 und den Volksaufstand in Ungarn 1956 zusammen. Bereits in der Novembersitzung im Jahr 1950 befasste sich das Politbüro mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen für führende Genossen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Situation in der DDR und die sich zuspitzende Lage im kalten Krieg die Entscheidung des Politbüros für den Bau der Waldsiedlung war. Nach dem Umzug in die Waldsiedlung nutzen das Areal zwar weiterhin hohe Funktionäre, es wurde jedoch ruhig im Pankower Städtchen. Das änderte sich ein letztes Mal, als Ende 1989 die Regierung von Ministerpräsident Hans Modrow die Auflösung der Waldsiedlung beschloss.

 

2. Schutzbauwerke der Waldsiedlung

 

Der Nationale Verteidigungsrat der DDR (NVR) beschloss auf der Sitzung im Januar 1967 für die Mobilmachung im Verteidigungszustand eine Direktive bis Ende Juli 1967 zu erarbeiten und dem Nationalen Verteidigungrat zur Bestätigung vorzulegen. Ergebnis war die Direktive 1/67, deren wesentliche Anordnung die dezentrale Entfaltung in operativen Ausweichführungsstellen sicherzustellen.

 

Anordnung zur Errichtung von operativen Ausweichführungsstellen7

 

Zur Sicherheit der Mitglieder des Politbüros und deren Familienmitglieder, schlug ein Generalmajor in einem Schreiben von Ende Februar 1967 vor, erstmal zwei Schutzbauwerke zu errichten.3

 

Grundvariante I/157

 

Objekt I Innenring Familienbunker Obst- und Gemüselager:

Auf Grundlage des bestätigten Standortvorschlag wurde mit der Errichtung im April 1971 begonnen.4 Das Schutzbauwerk ist aus schweren Stahlbeton-Fertigteilen mit einer Aufnahmelast von 40t pro Quadratmeter errichtet worden. Für die schnelle Errichtung des Bauwerks können erforderliche Materialien aus den bereits produzierten Teilen und hergestellten Geräten genommen werden. Beginn der Bauzeit werden die Monate Juli/August vorgeschlagen, wobei mit 32 Mitarbeitern die geschätzte Fertigstellung des Rohbau 35 Tage beträgt.

 

Für den Ausfall der Stromversorgung sind im Bauwerk 2x2 Netzersatzanlagen mit 2x 7,5 kVA und 2x 15 kVA verbaut worden.

 

Objekt II Außenring Stabsbunker-Siebkeller-Pumpwerk:

Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit der Errichtung des Schutzbauwerk sind unter der Legende "Siebkessel-Pumpwerk" organisiert.4 Das Schutzbauwerk für Mitarbeiter der HA PS soll, im Gegensatz zum erstgenannten Bauwerk, nur Stahlbeton-Fertigteile mit einer Aufnahmelast von 15t pro Quadratmeter benutzt werden. Zu allen anderen Parameter sind keine Unterschiede zum Objekt I. Das MfS und das Wachregiment waren gemeinsam für dieses Objekt betraut. Die Gesamtverantwortung lag bei der Arbeitsgruppe des Leiters, während die Baupionier-Kompanie des Wachregiment F. Dzierzynski für die Bauausführung zuständig war. Die Bauausführung erfolgte in mehreren Etappen. In der ersten Etappe wurden Erschließungarbeiten und die Fertigung der Bodenplatte durchgeführt. Der vollständige Rohbauabschluss erfolgte in der zweiten Etappe, für die eine Bauzeit von maximal 5 Monaten vorgegeben war. Etappe 3 beinhaltete den Ausbau des Schutzbauwerkes. In unzähligen Aktenvermerken wird über eine Bauverzögerung u.A. durch ungenügende Leistungsfähigkeit einzelner Dienstvorgesetzten berichtet.5 Dieser Mangel bezieht sich laut Aktenlage auf einen Zeitraum von Oktober 1971 bis September 1972. Dadurch konnte der gesetzte Termin der Fertigstellung am 31.10.1973 nicht eingehalten werden.

 

3. Fotogalerie

 

Familienbunker Obst- und Gemüselager

 

Stabsbunker-Siebkeller-Pumpwerk

 

4. Quellen:

1 www.bundesarchiv.de

2 Die Waldsiedlung - Paul Bergner

3 BStU MfS HA PS 11591

4 BStU MfS HA PS 11593

5 BStU MfS HA PS 11594

6 BStU MfS HA PS 11595

7 BStU MfS ZAIG 7734

8 Waldsiedlung Wandlitz - Jürgen Danyel, Elke Kimmel

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