Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gibt es unzählige Schutzbauten der verschiedenen Nutzer. Die Schutzbauwerke gliedern sich, in Abhängigkeit nach baulicher Ausführung. Weiterhin wurden Schutzbauwerke im Wohnungs-, Gesellschafts-, Industriebau und Schutzbauwerke in Tunnelbauwerken projektiert. Da dieses Thema der Schutzbauwerke und Schutzklassen der DDR sehr komplex ist, wird in diesem Beitrag nur auf die Schutzbauwerke näher eingegangen, die zum Schutz der zivilen Bevölkerung dienten. Bei den Fertigteil-Typenbauten die speziell für das MfS projektiert wurden, wird in einem extra Beitrag ausführlicher eingegangen.

 

Die hier zusammen getragenen Informationen dienen nur als Überblick zu diesem Thema. Sollten im Laufe der Zeit neue Erkenntnisse erworben werden, so werden diese hier mit eingebunden.

 

 

 

Inhalt:

 

 

1. Definition und Gliederung der Schutzbauwerke

2. Klassifizierung der Schutzbauwerke

3. Schutzmaßnahmen

3.1. Schleusensysteme

3.2. Umfassungsbauteile

3.3. Filteranlagen

3.4. Bauwerksüberdruck

4. Quellen

 

 

 

1. Definition und Gliederung der Schutzbauwerke¹

 

 

Schutzbauwerke sind bauliche Anlagen, die durch ihre Lage, Konstruktion und räumlichen Anordnung dem Schutz der Bevölkerung bzw. die der Personen im Bauwerk dienen. Sie gliedern sich sowohl in die verschiedenen Arten sowie in verschiedene Schutzklassen. Die Übersicht zeigt die verschiedenen Arten der Schutzbauwerke:

 

 

Übersicht der Schutzbauwerke¹

 

 

Außenbauwerke werden außerhalb eines Trümmerbereiches der Gebäude unterirdisch oder halbunterirdisch angelegt. Die Höhenlage richtet sich nach den Gegebenheiten des möglichen Standortes wie z.B. wie hoch der Stand des Grundwassers ist. Damit der Schutz vor radioaktiver Strahlung gewährleistet ist, muss das Bauwerk eine Erdüberdeckung erhalten. Dies geschieht auch bei Innenbauwerken (wenn diese an den Außenwänden von Wohngebäuden liegen), sowie bei Grabenschutzbauwerken.

Die Kategorie der Grabenschutzbauwerke kann von der Bevölkerung selbst gebaut werden. Es gibt jedoch bei den Grabenschutzbauwerke Unterschiede in der Bauweise. So wurde aus Fertigteilen-Stahlbeton B160 und Fertigteilen-Stahlbeton B225 das Grabenschutzbauwerk mit 22 Plätzen erbaut. Beim Grabenschutzbauwerk mit 55 Plätzen wurde nur die Fundamentenplatte und die Decke mit Stahlbeton B160 hergestellt. Für die Außenwände und äußeren Begrenzungswände der Schleusen ist Mauerwerk mit Rundstahlbewerung verwendet worden. Alle übrigen Wände wie Trennwände sind aus reinem Mauerwerk errichtet. Der Unterschied zwischem dem Grabenbauwerk mit 55 und 75 Plätzen besteht nur dadurch, dass alle Außen- und Trennwände aus Mauerwerk mit Rundstahlbewehrung errichtet wurden. Fundamentenplatte und Decke ist mit selben Mitteln gebaut6.

Schutzgräben haben, bei entsprechenden Ausbau, die Schutzklasse D. In einzelnen Fällen sogar die Schutzklasse C. Erhalten Deckungsgräben einen hermetischen Abschluß um das Eindringen von Kampfstoffen zu verhindern, gehören sie zu den strahlungssicheren Bauwerken. Anders verhält es sich jedoch bei Splitterschutzgräben: Dort muss durch persönliche Schutzmittel wie z.B. Gasmasken und Schutzumhänge das Eindringen oder der Kontakt mit Kampfstoffen verhindert werden.

Die Schutzstollen besitzen den höchsten Schutzumfang bei ausreichender Erdüberdeckung aller genannten Schutzbauwerke. Voraussetzung sind hier Städte oder Landschaften die an steil abfallenden Gelände liegen/besitzen. Der Bau kann allerdings nur von Bergbauspezialisten durchgeführt werden.

 

 

2. Klassifizierung der Schutzbauwerke¹

 

 

Die Klassifizierung der Schutzbauwerke erfolgte durch das MdI in den Klassen A, B, C und D. Für die Grundlage in welche Schutzklasse das Bauwerk fiel war wichtig, welche Personenanzahl im Bauwerk untergebracht werden sollen und die Druckfestigkeit abhängig vom zu verwendeten Material.

 

Schutzklasse A besitzt eine Druckfestigkeit > 50 t/qm und kann über 300 Personen aufnehmen
Schutzklasse B besitzt eine Druckfestigkeit ≤ 50 t/qm und kann bis zu 300 Personen aufnehmen
Schutzklasse C besitzt eine Druckfestigkeit ≤ 10 t/qm und kann bis zu 150 Personen aufnehmen
Schutzklasse D besitzt eine Druckfestigkeit ≤ 5 t/qm und kann bis zu 150 Personen aufnehmen

 

Die Schutzbauten der Schutzklasse A boten somit den größtmöglichen Schutz, wurden aber im Vergleich zu anderen Schutzbauwerken nur sehr selten gebaut. Desweiteren gibt es noch nicht klassifizierte Schutzbauwerke wie Schutzkeller in Wohngebäuden und Deckungsgräben die von der Bevölkerung selbst zu bauen sind. Diese gehören den Trümmer- und Strahlungssicheren Bauten an. Nachfolgendes Diagramm veranschaulicht die jeweiligen Schutzbereiche der Schutzklassen.

 

 

Schutzbereiche der Schutzklassen¹

 

 

  3. Bauliche Schutzmaßnahmen

 

 

Oberirdischen Gebäude bieten nach einem Angriff mit Kernwaffen keinen Schutz mehr, während bei unterirdische Bauwerke ein höherer Schutzgrad eher erreichen lässt³. Nur in Ausnahmefällen (wie hoher Grundwasserstand) sind die Bauwerke so anzulegen, dass sie nicht mehr als 1m über der normalen Erdhöhe sind und eine seitliche Erdanschüttung und Erdüberdeckung aufweisen. Damit das Schutzbauwerk nicht mit Kampfmittel zerstört werden kann, musste die Konstruktion und Dimensionierung gegen direkten Beschuss berücksichtigt werden, dass sowohl der direkte Treffer und auch die Explosion nicht zum Durchschlag und somit zur Zerstörung führen können. Die Materialien Beton und Erde stehen am meisten zur Verfügung4.

Damit keine Strahlung ins Innere des Bauwerkes gelangt, ist es unbedingt erforderlich, dass der Schutzbereich komplett von der Außenluft getrennt ist³. Dies wird durch bauliche Maßnahmen wie Schleusensysteme, massive Umfassungsbauteile, Filteranlagen und Bauwerksüberdruck erreicht. Licht- und Hitzestrahlung sind für Schutzbauwerke ungefährlich, so lange diese Strahlung nicht ins Innere des Bauwerkes gelangt.

 

 

Querschnitt eines Schutzbauwerkes¹

3.1. Schleusensysteme¹

 

 

Aus den vorliegen Unterlagen der Hinweise zur Schutzraumprojektierung ist ersichtlich, dass die minimal Anforderung der Mindestlänge der ersten Schleuse 2,0m und die der zweiten Schleuse 2,4m beträgt. Außerdem sind zwei Drucktüren vom Typ T II 1000 einzubauen und dazwischen ein Vorraum von 5m² Grundfläche². Die Schleusen sind sowohl untereinander als auch vom Innenraum des Schutzbauwerkes getrennt. Das Schleusensystem ist abhängig der Schutzklasse. Sind Schleusensysteme der Schutzklassen C und D verbaut, sind keine hohen Drücke zu erwarten. So besitzen diese Bauwerke nur eine Zwischen- und Hauptschleuse (Abbildung 26). Die Abbildung 25 zeigt das Schleusensystem der Schutzklasse B mit Vor- und Hauptschleuse.

 

Unterschiede der Schleusensysteme¹

 

 

 

3.2. Umfassungsbauteile¹

 

 

Gefährlicher ist die radioaktive Strahlung. Dessen Sofortstrahlung für 15 Sekunden den größten Strahlungsanteil besitzt und die etwa eine Minute andauernde Reststrahlung. Da sie alle Materialien durchdringt, hilft nur eine Abschirmung durch eine geforderte Dicke für die Umfassungsbauteile der Schutzbauwerke. Neben der Dicke des Abschirmmaterials ist wichtig, dass das Material auch genügeng Wasser enthält, sonst findet keine ausreichende Abschwächung der Neutronen statt4. Dadurch das alle Materialien mit entsprechender Dichte eine Halbwertsschicht besitzen, kann die auftreffende Strahlung gemindert und eine Abschwächung erreicht werden. Halbwertschichten verschiedener Materialien zeigt unten die linke Abbildung. Radioaktive Verseuchung besteht aus Staub- und Erdteilchen die radioaktiv geworden sind. Ihre Wirkung ist geringer als die der Sofort- und Reststrahlung, dass die zuvor beschriebene Schutzmaßnahme auch hier ausreicht. Da die Strahlung in seltenen Fällen nicht senkrecht auftritt, ist die Halbwertschicht abhängig von der Dicke des Materials und diese abhängig von der Dichte des Materials. Eine Übersicht der Halbwertschichten verschiedener Materialien in Abhängigkeit von der Stärke und ein Beispiel dazu geben die unteren Abbildungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Halbwertschichten der verschiedenen Materialien¹                                                 Abschwächung der auftreffenden Strahlung bei einer Betonwand¹

 

 

  • 3.3. • Filteranlagen¹

 

 

Unabhängig der oben genannten Maßnahmen, ist der Schutz der chemischen oder radioaktiv verseuchten Aussenluft besonders wichtig. So wird die angesaugte Luft durch einen Grobsandfilter gefiltert. Dies ist eine weitere Schutzmaßnahme von neuzeitlichen Kampfstoffen. Auch durch die Atmung der Menschen muss von Zeit zu Zeit ein Luftaustausch stattfinden.

Zum besseren Verständnis dient die untere Abbildung zur Funktionsweise. Dazu wird die Luft über dem Gelände durch den aus Mauerwerk oder Stahlbeton bestehenden Ansaugschacht zum Grobsandfilter geleitet. Dieser besteht aus einer 1m dicken Grobsandschicht, aus einer 20cm grobkörnigen Kiesschicht und einen Filterrost. Darunter wird die Luft durch eine Ansaugleitung mittels Lüfter über eine Filterstrecke ins Bauwerk geleitet und verteilt. Ein Kiesdruckwellendämpfer kann pro Stunde 40 m³ Luft ansaugen. Ein Kiesdruckwellendämpfer von 1m² Fläche reicht für 60 Personen. Wird das Schutzbauwerk mit über 60 Personen belegt, muss entweder die Fläche erhöht werden oder mehrere Kiesdruckwellendämpfer bereit gestellt werden. Bei einem Ausfall dieses Lüfters, wird die Luftversorgung auf dem Reservelüfter mit Pedalantrieb weiter betrieben. Dieser Reservelüfter (das "berühmte" Fahrrad) ist in der Filterstrecke bei den Typenbauwerken 1/15 V2 zu finden. Ob es einen Reservelüfter im Typenbauwerk 1/15 gibt ist nicht bekannt.

 

Querschnitt eines Grobsandfilters¹

 

 

  • 3.4. • Bauwerksüberdruck

 

 

Um die Dichtigkeit der Bauwerke zu gewährleisten, müssen die Drucktüren richtig verbaut sein und von außen auf den Türrahmen schlagen. Die Abdichtung erfolgt durch eine Spezialklinke und ein Gummipolster³. Im Schutzraum wird gegenüber der Außenluft ein Überdruck bei Normal- und Schutzbelüftung von 15 - 20 mm WS erzeugt². Die Messung des Überdrucks erfolgte mittels Schrägrohrmanometer.

 

 

 

 

Schließvorrichtung und Gummidichtung einer gasdichten Tür³

 

 

 

 

 

Quellen:

 

¹: Günther Meyer - Schriftenreihe Luftschutz Teil 7  - Verlag des Ministeriums des Inneren

²: BStU MfS VRD 5904

³: Dr. Karlheinz Lohs - Schriftenreihe Luftschutz Teil 4 - Verlag des Ministeriums des Inneren

: BStU MfS VRD 11079

5: Günther Meyer - Schriftenreihe Luftschutz Teil 18 - Deutscher Militärverlag

6: Projektierungskatalog für Schutzräume - Bauakademie der DDR

 

 

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